Als Erwachsene die Taufe neu entdecken

Taufe ist im allgemeinen Bewusstsein vor allem mit dem Lebensanfang verbunden. Ihre Relevanz für den weiteren Lebensweg wird selten wahrgenommen. „Ja, ich bin getauft“ möchte dazu beitragen, dass Erwachsene die Taufe ganz neu oder immer mehr als Fundament und Mitte ihres Lebens entdecken. Dann wird die in der Taufe freigelegte Quelle nicht versickern oder zum Rinnsal verkümmern, sondern kann zu einem Fluss anwachsen, der mitten durch unser Leben fließt, dieses befruchtet und schließlich in die ewige Gemeinschaft mit Gott mündet.


Taufe ist deshalb kein in der Vergangenheit abgeschlossenes Ereignis, sondern eröffnet Zukunft. Ihre vielen Schätze wollen entdeckt, ihr reichhaltiges Potential will weiter entfaltet werden. Aus dem in der Taufe initiierten neuen Leben (Röm 6,4) kann man nicht, wie aus Kinderkleidung, herauswachsen. Im Gegenteil: wir sind herausgefordert, immer mehr in das Leben der Taufe hinein zu wachsen.

Dieses Hineinwachsen ist untrennbar verbunden mit der alters- und lebensspezifischen Entwicklung der persönlichen Gottesbeziehung. Weder im Glauben noch im sozialen Leben können Erwachsene auf der Kinderstufe stehen bleiben. So, wie z. B. Kinder- und Jugendfreundschaften bald zu einer schönen Erinnerung verblassen, wenn sie sich nicht weiterentwickeln, so ergeht es auch dem Glauben. Der Kinderglaube, ob er intensiv oder rudimentär war, wird nur dann zu einem lebendigen Erwachsenen-Glauben, wenn das Gottvertrauen als dessen Lebensnerv in den zunehmenden Lebenserfahrungen reift. Dann wird er nicht im Alltag ersticken, sondern diesen durchdringen und beleben.

Kern des christlichen Glaubens ist Gottes unbedingte Liebe zu jedem Menschen. Der Zugang zu dieser Mitte kann nicht allein über die Vermittlung von Wissen und Tradition erfolgen. Christlicher Glaube ist im Grunde ein Beziehungsgeschehen, das in der Taufe initiiert wurde und sich ein Leben lang entwickelt. Auf Dauer hängt die Vitalität des Glaubens davon ab, ob aus dem Samen des Anfangs eine persönliche Gottverbundenheit erwächst, die der Liebe Gottes traut und sich Seiner Führung anvertraut.

Glaubenskurse wollen Beziehung stiften und fördern

Mit dem Begriff „Glaubenskurs“ verbindet man leicht Lernen und Wissensvermittlung. Von ihrer Intention her wollen Glaubenskurse bzw. Glaubenswege aber das Hineinwachsen in eine persönliche, erwachsenengemäße Gottesbeziehung unterstützen. Selbstverständlich gehört dazu auch Wissen. Entscheidend ist aber, in welchem Maße die persönliche Verbundenheit mit Gott wächst, ob sie vertieft oder auch neu entdeckt wird.

Wie im Teilnehmerheft näher ausgeführt (èS. 86), berichtet die Bibel an vielen Stellen von entsprechenden Prozessen. So wurden Abraham, Mose, Paulus, Maria und viele andere von Gott persönlich angesprochen. Auf diesen Ruf reagierten sie nicht gleich mit Zustimmung, sondern mit innerer Betroffenheit, mit Zweifeln und Einwänden. Doch Gott blieb damals (und bleibt auch heute) „dran“. Er wirbt um jeden Einzelnen, spricht Mut zu und bestärkt ‑ und das macht schließlich dessen Antwort, sein Ja zu Ihm, möglich.

Gut nachvollziehen lässt sich das an der Verkündigungsgeschichte (Lk 1). Der Engel spricht Maria an: „Sei gegrüßt, du Begnadete!“ Diese erschrickt über die Anrede und sagt zu der schier unglaublichen Botschaft nicht gleich ja. Sie fragt vielmehr nach („Wie soll das geschehen?“) und benennt ihre Irritation. Der Engel reagiert darauf nicht beschwichtigend, sondern ermutigt und bekräftigt den Glauben der Angesprochenen: Er verweist sie auf die Kraft des Heiligen Geistes und die Erfahrungen ihrer Verwandten Elisabeth. So in ihrem Gott-Vertrauen bestärkt, ist Maria bereit: „Mir geschehe nach deinem Wort“.

Quelle: weg-vallendar.de